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Debatte um Poker als Geschicklichkeitsspiel

27 October 2008

Führender Professor facht die holländische Debate um Poker als Geschicklichkeitsspiel neu an

Letzten Freitag, am Vorabend seiner Pensionierung, focht Professor Ben van der Genugten in seiner Abschiedsrede an der Universität von Tilburg die 10 Jahre alte Entscheidung des Obersten Gerichtshofs Hollands an, die Poker als Glücksspiel klassifiziert. Im Gegensatz zu uns konnte der Professor jedoch eine Formel präsentieren, die seine Behauptung untermauert und bei den holländischen Ministern Zweifel hervorrief, ob diese Klassifizierung gerechtfertigt ist.

Der Oberste Gerichtshof klassifizierte Poker 1998 als Glücksspiel und machte somit die Organisation von Pokerspielen ohne Lizenz illegal. Gleichzeitig erhielt Holland Casino, als einziger lizenzierter Anbieter, eine Monopolstellung.

Professor Van der Genugten, der eine Methode entwickelt hat, um festzustellen, ob es sich bei einen Spiel um ein reines Glücksspiel handelt, vertritt die Ansicht, dass Poker eindeutig ein Spiel ist, das auf Geschicklichkeit basiert und dass deshalb die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs rückgängig gemacht werden sollte.

Van der Genugten, ein Experte in Wahrscheinlichkeitsrechnung und mathematischer Statistik, entwickelte zusammen mit Peter Borm, Professor für Mathematik und Spieltheorie, eine Formel, die einen Geschicklichkeitswert aus dem Verhältnis zwischen Glückseffekt und Lerneffekt eines Spiels, berechnet. Um so geringer die Rolle von Glück ist, desto höher ist der Geschicklichkeitswert.

Nach dieser Formel begründet sich der Lerneffekt aus dem Unterschied im Spielausgang zwischen einem optimalen Spieler und einem Anfänger. Dieser Unterschied misst die Geschicklichkeit.

Der Glückseffekt beruht auf den zusätzlichen Gewinnen, die ein optimaler Spieler theoretisch erreichen könnte, wenn die Spielergebnisse vorher bekannt wären. Dies ist natürlich rein fiktiv, da kein Kasino einen solchen Spieler zulassen würde.

Ein reines Glücksspiel, wie zum Beispiel Roulette, hat keinen Lerneffekt und hätte einen Geschicklichkeitswert von 0. Ein Spiel, das rein auf Geschicklichkeit basiert und vom Glück unabhängig ist, hätte einen Geschicklichkeitswert von 1. Alle Spiele haben einen Geschicklichkeitswert zwischen 0 und 1. Umso höher der Geschicklichkeitswert ist, desto mehr Geschicklichkeit und weniger Glück treffen zu. Blackjack erreicht einen Geschicklichkeitswert von 0,049, Planspiele wie Fantasy Sport haben einen Geschicklichkeitswert von 0,3 und Poker erreicht einen Geschicklichkeitswert von 0,4, der dem von Schach und Bridge nahekommt.

Laut Van der Genugten ist es mit Hilfe dieser Formel einfach, eine konsistente Klassifizierungsmethode für den Betting & Gaming Act zu entwickeln. Zum Beispiel erreicht Roulette einen sehr niedrigen Geschicklichkeitswert und ist deswegen richtigerweise als Glücksspiel klassifiziert. Poker jedoch erreicht einen sehr hohen Geschicklichkeitswert, bedeutend höher als Fantasy Sport Spiele, die als Geschicklichkeitsspiele klassifiziert sind, während Poker dies nicht ist. Aufgrund dieser Ungereimtheiten hat Van der Genugten eine Überprüfung der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs gefordert.

In den letzten Jahren war Van der Genugten aktiv mit der Anwendung des holländischen Betting & Gaming Act beschäftigt und seine Formel wurde vom Gericht benutzt um Fantasy Sport Spiele zu klassifizieren. Überraschenderweise wurde die selbe Formel nicht für Poker angewandt. Er ist auch in einer Reihe von Verfahren als Sachverständiger aufgetreten und hat an einem im holländischen Fernsehen gesendeten Experiment teilgenommen, um den Geschicklichkeitswert von Texas Hold ‘em zu ermitteln.

Deswegen wurde Professor Van der Genugtens Meinung von den holländischen Medien schnell aufgenommen und Rufe der Liberalen Partei an Gerichtsminister Hirsch Ballin wurden laut, eine Erklärung über die Möglichkeit, die Klassifizierung ddes Obersten Gerichtshofs überprüfen zu lassen, abzugeben.

Gleichzeitig mit dem neuen Aufflackern dieser Debatte findet ein Gerichtsverfahren gegen zwei Personen statt, die verhaftet wurden, weil sie 2007 ein Poker Turnier in der holländischen Stadt Bussum organisierten. Man denkt, dass dies die erste Gerichtsverhandlung über Poker ist seit der Oberste Gerichtshof vor 10 Jahren entschied, dass es sich bei dem Spiel um ein Glücksspiel handelt. Aufgrund der Erkenntnisse von Professor Van der Genugten ist der Verteidiger zuversichtlich was den Ausgang des Prozesses betrifft.

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